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A. Tydecks-Jürging schrieb am 14.02.2011 um 09:15 Uhr
Der Anschlussfilm, in die heutige Zeit verlegt, könnte von "Tigermüttern" und ihren mobbenden Kindern handeln. Es ist, als ob das ein Menschheitsthema wäre, zeitlos und global.
tobias schrieb am 05.01.2011 um 02:35 Uhr
vorab muss ich wie die meisten in diesem forum meine begeisterung über dieses werk zum ausdruck bringen, da ich es unglaublich erfrischend finde. innerhalb dieser flut an bunten, lauten und hektisch geschnittenen filmen der heutigen zeit, die oft erheblichen aufwand betreiben, unglaubliche visuelle effekte beinhalten oder z.t. widerliche brutalitäten darstellen, ohne dabei so zu berühren, zu beindrucken und zum nachdenken anzuregen, wie es dieser film geschafft hat. wunderbar! ich hatte das gefühl, die alten fotos aus dem familienalbum seien zum leben erwacht und den machern ist es zudem gelungen, ihre filmischen stilmittel (z.t. minutenlange feste kameraeinstellungen ohne wilde fahrten, schwindelerregender pov's oder schockierender heransprünge) der damaligen zeit anzupassen. es war wirklich wie eine zeitreise. und der zuschauer hat zeit, jedes bild, jede neue situation und szenerie in aller ruhe zu erfassen und quasi zu atmen. das gleiche passiert auf der tonebene: der praktisch fehlende soundtrack hilft uns, unsere gedanken zu hören, uns konzentrieren zu können, fast wie im museum, kein gedudel, keine stimmungsbeeinflussung, keine ablenkung beim betrachten des bildes...
über die inhaltliche analyse könnte man eine klausur, eine doktorarbeit oder sogar ein buch schreiben, deshalb fang ich besser gar nicht groß damit an. nur eines: ich empfinde die fehlende menschliche wärme der meisten charaktere im film als stilmittel für die kritik an der damaligen pädagogik, nicht als pauschale behauptung, alle deutschen landbewohner dieser zeit wären bösartig gewesen. manche meiner vorschreiber hier fühlten sich ja angegriffen oder verunglimpft... und andere wollen den faden bis zum faschismus und in die hitlerzeit spannen und wollen den erhobenen zeigefinger gesehen haben.... als müsse es in jedem deutschen film um das 3.reich gehen... zur erinnerung: der krieg am ende des filmes ist der 1. weltkrieg! es geht um menschen, falsche pädagogik und um krieg. punkt. das kann man auch einfach mal so stehen lassen ohne daraus eine tiefschürfende deutsche selbstkritik zu stricken!
Stefan D. schrieb am 24.11.2010 um 09:24 Uhr
Was ja auch interessant ist:
der Dorfarzt "befingerte" seine eigene Tochter, seine Hebamme wusste und aktzeptierte es, anstatt zur Polizei zu gehen.
Immer, wenn damals etwas schlimmes gemacht wurde (Misshandlungen,...) wussten es Leute (einer, einige) aber es wurde 'totgeschwiegen'. Als ich klein war (ich bin Jahrgang 70) wurde meine Nachbarsfreundin, die auch auf meiner Schule war, immer von ihrer Mutter geschlagen, wir alle haben es immer gehört; ich wollte helfen, aber meine Eltern wollten nicht, das "ich mich einmische"..."Es gäbe bestimmt Gründe, sie ist eventuell selbst daran Schuld".
Auch das Ende ist interessant>
der Arzt verschwindet (offensichtl. auch mit seinem behinderten Sohn), und alle im Dorf "Er war bestimmt für alles verantwortlich">>>sie haben ihren Sündenbock, fertig. Nicht nur das, es gab nun Krieg, jetzt haben sie ja "ein anderes Gesprächsthema" was wichtig(er) ist.
Ein sehr wichtiger und glaubhafter Film, dessen Handlung überall auf der Welt passieren könnte...immer noch.
Katarzyna schrieb am 08.10.2010 um 02:31 Uhr
nachdem ich mir heute Abend - allein zu Haus- diesen eigen-und einzigartigen Film, mit stets wechselnden Gefühlen angeschaut habe, fühlte ich mich nach seiner Schlussszene verwirrt, berührt, beunruhigt, und bewegt, ….und ratlos schaltete ich den PC ein.
Bin sehr froh, zu dieser Film-Seite gefunden zu haben. Bei der Lektüre (aller 31 Seiten ;-)) der hiesigen Beiträge, die Betroffenheit und Nachdenklichkeit der Verfasser spiegeln, fand ich Ansätze einiger meiner eigenen Assoziationen - und es wirkte dann wie eine reelle Auseinandersetzung mit der inneren emotionalen Unruhe, die der bei mir Film auslöste.
Den Betreibern dieser Seite sage ich einen herzlichen Dank für das offene Forum, für diesen virtuellen Ort, den jeder, der will, besuchen kann – und selbst entscheiden kann, wie dieses zu nutzen sei.
Es wäre vielleicht möglich, die tollen Beiträge die hier spontan und / oder wohl überlegt veröffentlicht wurden, in Form eines Buches herauszubringen? Ich könnte mir vorstellen, dass so eine Broschüre auch Interesse findet. Es gibt noch nicht Vernetzte, die durchaus diskussionsfähig und -offen sind (die Generation meiner Eltern, z.B., heute so um die 80 Jahre alt)?
Und es stellte sich mir eine große Frage, unabhängig der möglichen Wegbereitung für die aktive Täterschaft im 2 WK durch den Einsatz von „schwarze Pädagogik“, Liebesentzug, Missachtung der Kindes- und Familienbedürfnissen, etc. etc. - ist es wirklich nur ein (vorwiegend) protestantisches Phänomen? Das würde sich mit den Darstellungen von Bergmann, Lars von Trier, Alice Miller, usw. gut ergänzen – aber sind die katholisch geführten Familien so viel besser dran gewesen? Meine Großeltern (geb. um 1900) lachten noch auf den Fotos, auch mit ihren Kindern, aber die Generation davor – diese sepiabraunen Fotografien zeigten mir in der Regel nur sehr ernsten, steifen Gesichter....Und Prügelstrafen gab es legitimerweise (in den 60gern)...
Der Film wirft unzählige Fragen auf und liefert keine einfachen Antworten.
Vielen Dank, Herr Haneke, vielen Dank allen Mitwirkenden!
S. schrieb am 10.07.2010 um 00:05 Uhr
Auf Zeiten hinaus nachwirkend. Nicht, dass ich diesen Film nicht verstehe, aber ebendieses 'aber' steht für sich selbst als Unbekannte, die zum Ursprung menschlicher Antianthroposophien uns hinführen würde, wäre ich nicht außerstande auch ebendieses 'würde' nicht zu gebrauchen.
S.


