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Anke schrieb am 29.06.2010 um 20:17 Uhr
Ich hab den Film gestern gesehen. Ich war über zwei Stunden gefesselt, auch wenn er eher vor sich hin "plätscherte", war wütend, aufgewühlt über diese bigotten A...löcher von Arzt und Pastor. Das Ende jedoch fand ich enttäuschend. Man konnte sich zwar denken, wer für den Draht verantwortlich war, aber alle anderen Taten paßten nicht dazu und eine Auflösung wurde dem Zuschauer komplett vorenthalten. Ich hatte am Ende tatsächlich das Gefühl, ich wäre grad unaufmerksam gewesen und hätte die Aufklärung verpaßt. Dem war aber wohl nicht so. Schade. Insgesamt wirkte die Handlung auch manchmal etwas zusammenhangslos, nur angerissen aber nicht beendet, als hätte man das Interesse verloren und wollte sich nur schnell der nächsten Szene widmen. Insgesamt hatte ich mehr erwartet.
Im übrigen scheinen viele (auch der Regisseur?) anzunehmen, dass diese Verklemptheit, Bigotterie, Dummheit, Steifheit ein rein deutsches Problem der damaligen Zeit war? Nein, damals ging es in den Nachbarländern auch nicht anders zu. Und zwar schon seit mindestens 100 Jahren, deshalb kann ich eigentlich keinen Bezug zum erst Jahrzehnte später kommenden Faschismus erkennen.
Pat Smith schrieb am 27.05.2010 um 23:57 Uhr
Als ich in 1989 das erste Mal Deutschland besucht habe, wurde mir bewusst, wie sehr mein Bild von den Deutschen von Filmen geprägt worden war. Die Deutschen in diesen Filmen waren immer als böse oder doof dargestellt worden. Ich war noch keine 30 und trotzdem, fast 50 Jahren nach dem Krieg, musste ich als Fremde lernen, die Deutschen als Menschen und nicht als Nazis zu sehen. In den letzten Jahren habe ich viele tolle Filme aus Deutschland gesehen, Filme, die lustige, liebenswerte und menschliche Deutschen dartstellten. Alle loben diesen Film aber ich war entsetzt. Ja, er war wunderbar inszeniert. Aber warum will ein Regisseur so ein Bild von den Deutschen zeigen?Menschen, die misbrauchen und misbraucht werden, die unsympatisch und böswillig mit einander umgehen und zu den schlimmsten Taten fähig sind, sogar die Kinder. Ich will so was nicht sehen.
Tomas Motzenbäcker schrieb am 16.05.2010 um 23:42 Uhr
Hauthah fühlt man wie Kinder an den eiskalten Minen der Erwachsenen zerbrechen. Der glaubesfanatische aber emotional verkrüppelte Priester, dieser rücksichtslos, perverse Arzt. Alle selbst nur Opfer und Ihre Opfer - die Kinder - unsere Vorfahren? Das alles geht so sehr unter die Haut, ist gnadenlos genial inszeniert. Der Kriegsausbruch setzt dem Ganzen die Krone auf und erlöst all diese Verbrechen in rätselhafter Unaufgelöstheit in ein noch größeres Verbrechen - den Krieg. Einfach genial - der beste Film, den ich seit langem gesehen habe. Den Oscar hätte dieser Film wirklich verdient.
astrid espey schrieb am 25.04.2010 um 13:51 Uhr
Das ist mein Lieblingsfilm -
danke Herr Haneke ....
Haben den Film Samstagabend geguckt und als Familie beim SonntagmorgenFrühstück jede Menge Diskussionsstoff gehabt !
ekenah schrieb am 21.04.2010 um 22:47 Uhr
Sowar das nicht Herr Haneke! Unsere Vorfahren waren nicht ausschliesslich gefühlverkrüppelte Inzester! Nicht Protestantismus oder Wilhelminismus haben den Faschismus zu verantworten, sondern sein Ziehvater - der Kapitalismus. Ein sehr gut dem Regisseur, ein Nichtgenügend dem Historiker Haneke, der angeblich kiloweise Literatur zum Thema gelesen haben will, anscheinend aber die falsche!!!!


